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Mehr-/Mindermengen-Ausgleichsrechnung nach VOB/B § 2 Abs. 3

Wie wird hier berücksichtigt, dass bei Mindermengen z. B. Gerätekapazitäten des AN ungenutzt bleiben?

Die "klassische" Mehr-/Mindermengen-Ausgleichsrechnung unterstellt, dass bei Mengenunterschreitungen grundsätzlich alle Einzelkosten der Teilleistungen (EKT) erspart werden und bei Mengenüberschreitungen die EKT unverändert anfallen. Lediglich BGK, AGK sowie Wagnis und Gewinn werden differenziert betrachtet. Bei Mengenunterschreitungen unterhalb 90 % der LV-Menge stehen dem AN die kompletten untergedeckten BGK, AGK sowie Wagnis und Gewinn zu. Gelegentlich wird die Meinung vertreten, dass kein Wagnisanteil zustünde, da ja eine nicht erbrachte Leistung kann Wagnis verursachen könne. Dieser Anteil wird jedoch ohnehin von den AN selten explizit ausgewiesen.

Bei Mengenüberschreitungen über 110 % der LV-Menge stehen dem AN Zuschläge für AGK sowie Wagnis und Gewinn in unveränderter prozentualer Höhe zu. Die AGK und BGK sind jedoch in die Mehr-/Mindermengen-Ausgleichsrechnung einzubeziehen. Soweit zumindest die "klassische" Vorgehensweise. Dabei wird unterstellt, dass Mengenmehrungen keine Erhöhung der BGK zur Folge haben, da die Baustelle als Ganzes keine höheren BGK erfordere. Dies kann im Einzelfall durchaus unzutreffend sein. Dann ist in der Mehr-/Mindermengen-Ausgleichsrechnung für zusätzlich erforderliche BGK eine positionsweise Korrektur oder eine Korrektur "unter der Summenzeile" erforderlich.

Ergibt sich aus einer Mehr-/Mindermengen-Ausgleichsrechnung im Saldo über alle betrachteten Positionen (< 90% und > 110% der LV-Mengen) eine Mehrvergütung, so sind darin enthaltene (übergedeckte) BGK dem AG zu erstatten (mit obiger Ausnahme, wenn nämlich tatsächlich höhere BGK anfallen). Der Anspruch des AN auf AGK für den den Saldo überschiessenden Leistungsteil bleibt jedoch unberührt.

Es gibt allerdings auch durchaus überzeugende Auffassungen, dass ein solcher Rückerstattungsanspruch des AG für "übergedeckte BGK" nur bei einer "Angebotskalkulation über die Endsumme" entstünde. Bei einer "Kalkulation mit vorbestimmten Zuschlägen" sei der Zuschlag für BGK ja gerade nicht baustellenspezifisch, sondern rein umsatzabhängig kalkuliert worden. Übergedeckte BGK könne es daher nicht geben.

Umgekehrt ist es bei deutlichen Mindermengen auch möglich, dass z. B. Gerätekosten, die in den EKT enthalten sind, nicht oder nur teilweise erspart werden können, weil die Geräte dennoch in unvermindertem Umfang auf der Baustelle vorgehalten werden müssen.

Die einfache Mehr-/Mindermengen-Ausgleichsrechnung geht davon aus, dass bei Mindermengen Gerätekosten (so wie Lohn, Material etc.) mengenproportional erspart werden. Auch dies kann im Einzelfall unzutreffend sein. Eine positionsweise Korrektur oder eine Korrektur "unter der Summenzeile" ist dann möglich und erforderlich.

Fazit:

Bei Mehrmengen ist derjenige Unternehmer im Vorteil, der seine Gerätekosten als EKT kalkuliert hat.

Bei Mindermengen ist derjenige Unternehmer im Vorteil, der seine Gerätekosten als Umlage kalkuliert hat. Zumindest erspart er sich eine schwierige Nachweisführung, da ihm die entgangenen BGK ohne Diskussion zustehen.